Wahrheit- ja oder nein?

Ein Mädchen verliert seine Eltern als es noch ganz klein ist, es bekommt Adoptiveltern mit denen es aufwächst, allerdings weiß sie nichts davon. Sie lebt ein ganz normales Leben. Schließlich entscheiden sich ihre Adoptiveltern es ihr zu erzählen-

“Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind”  von Nietzsche

Das Mädchen akzeptiert ihre Adoptiveltern als ihre richtigen Eltern und denkt auch sie wären es. Sie betrachtet sie als Mama und Papa. Wie wird sie reagieren? Wird sie sie nicht mehr als ihre Eltern sehen? Obwohl sie das ihr ganzes Leben lang getan hat?

Nicht immer ist die Wahrheit die eigene Wahrheit. Sie mag wahr sein, aber man fühlt doch dass es anders ist wie das Mädchen ihre Adoptiveltern als wahre Eltern ansieht. Sie sind vielleicht nicht ihre biologischen Eltern, aber die Eltern in ihrem Herzen.  Also ist eine Wahrheit nicht immer eine Wahrheit für einen selbst. Eine Wahrheit war auch einmal eine Illusion die wir mit unseren Wahrnehmungen zur Wahrheit gemacht haben, genauso kann sie wieder zur Illusion werden.

Die rote oder die blaue Pille – Matrix

In dem Film Matrix   [[http://www.youtube.com/watch?v=OuJ87X9YX3c]] geht es um Menschen, die an Computer angeschlossen sind, sodass sie glauben, sie wären in einer realen Welt, allerdings ist es nur Illusion.
Nun bekommt einer die Wahl- entweder er nimmt die rote Pille und bleibt in der Scheinwelt oder er nimmt die blaue und sieht die wahre Welt.
Ich würde die rote Pille nehmen.
Warum würde ich die Rote nehmen?
Weil in der Scheinwelt mein Leben ganz normal und geregelt ist.
Warum ist mein Leben ganz normal und geregelt?
Weil im Programm nicht vorgesehen ist dass etwas Außergewöhnliches passiert.
Warum ist es nicht vorgesehen?
Weil es schwer ist das zu programmieren.
Warum ist das schwer?
Weil es soviele offene Möglichkeiten gibt die man nicht voraussieht.
Warum kann man die nicht voraussehen?
Weil jede kleine Entscheidung die getroffen wird- entscheidend ist.
Warum ist jede Entscheidung entscheidend?
Weil sich dadurch neue Entscheidungsmöglichkeiten auftun.
Warum tun sich dadurch neue Entscheidungsmöglichkeiten auf?
Weil in der realen Welt alles möglich ist.
Warum ist in der realen Welt alles möglich?
Weil nichts geplant ist.
Warum ist nichts geplant?
Weil niemand für alle das Richtige entscheiden kann.
Warum kann das niemand?
Weil jeder eine eigene kleine Welt hat mit eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen.
Warum hat das jeder?
Weil jeder anders ist.
Warum ist jeder anders?
Weil kein biologisches Lebewesen genau gleich sein kann.
Warum kann kein biologisches Lebewesen gleich sein?
Weil die Natur nichts genau identisch erschaffen kann.
Warum kann die Natur das nicht?
Weil sie es garnicht erst versucht.
Warum versucht sie es nicht?
Denkt mal drüber nach!

Ein Bild in einem Bild (La Condition humaine, Rene Magritte, 1933)

Das Bild „La Condition humaine“ von Rene Magritte stellt eine Zimmerwand, wo ein Fenster Ausblick auf die dahinter liegende Landschaft gibt, dar. Vor dem Fenster steh- kaum erkennbar- eine Leinwand, die in die Landschaft dahinter übergehen zu scheint, da das Bild auf der Leinwand dasselbe gemalt ist wie ohne sie aus dem Fenster erkennbar gewesen wäre. Die Wolken, der Wald und die Wiesen und ein Baum.

Nun stellt sich die Frage, ob alles, was auf dem Bild zu sehen ist, auch wirklich dahinter existiert, ob der Baum tatsächlich dort steht und nicht nur eine Fantasie des Künstlers ist, oder auch, ob das überhaupt wichtig ist, ob nicht beides nur eine Vorstellung in unserem Kopf ist und somit nicht unterschieden werden kann.

Würden wir den Unterschied bemerken zwischen Bild und realer Welt, wenn die Ränder der Leinwand nicht erkennbar wären?

Wir würden aus dem Fenster schauen und nichts bemerken. Allerdings funktioniert diese Illusion nur für einen kurzen Augenblick, auf der Leinwand bleibt alles starr und unbewegt, in der Natur aber ist alles in Bewegung, die Wolken ziehen, die Bäume wiegen sich im Wind und ständig verändert sich etwas.

Ist die Welt hinter der Leinwand nicht auch nur ein Bild in unserem Kopf?

Und so sehen wir die Welt: Wir sehen sie als etwas außerhalb von uns Befindliches, obwohl sie nur eine geistige Darstellung dessen ist, was wir in uns erleben.

Rene Magritte

Ich finde, Rene Magritte hat damit Recht, dass er sagt die Welt wäre etwas was wir in unserem Inneren erst zusammenfügen und wir sie mit unseren Sinnesorganen ertasten, und trotzdem sehen wir sie als etwas, was sich außerhalb von uns befindet.

Wir können nie sicher sein, ob die Welt nur in unserer Vorstellung existiert, aber auch wenn es anders wäre, unsere welt können wir uns nur in unserem Inneren errichten, da jeder die Welt anders sieht und auffasst.

Die Irrfahrt der Erkenntnis

Ich übertrage die Geschichte „Irrfahrt der Erkenntnis“ von Paul Watzlawik  auf eine Person die versucht einen Streit zu schlichten.

Die Person arbeitet sich bei beiden Parteien voran, stellt Fragen und legt Ansichten dar um den Grund des Streites und Lösungsmöglichkeiten herauszufinden. Nie aber kann er sich ganz sicher sein ob er richtig vorgeht und was die Parteien eigentlich wollen. So kann es passieren das die Parteien sich entweder für immer zerstreiten oder wieder Freunde werden.

Der Schlichter ist an seinem Ziel angelangt, aber er weiß trotzdem nicht wirklich, was im innern der beiden Parteien vorgegangen ist.

Ich finde Watzlawik hat teilweise recht, auf den von ihm benannten Fall trifft es auf jeden Fall zu, allerdings nicht auf jede ähnliche Situation. Wenn ein Mensch beispielsweise einen Wald durchläuft kann er sich fragen ob es einen besseren Weg gibt, aber es gibt immer viele Wege und Möglichkeiten und jede hat einen Teil von Richtigkeit. So kann der Kapitän auf verschiedenen Wegen zum Ziel kommen und es wird nicht den einen, richtigen geben.

Eine Erkenntnis hat der Kapitän, wenn er an den Klippen zerschellt, aber viel bringt ihm das dann auch nicht mehr.

Man muss entscheiden, ob man wissen will und damit vielleicht etwas zerstört, oder ob man weiter- dafür lebend- den richtigen Weg durch Versuche herausfinden will.